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Cannabis inside Mensch Teil 2

Cannabis inside Mensch Teil 2 –  oder die Wundermedizin in uns

Wundersame bundesdeutsche Gesetzeswelt

Der Cannabiswirkstoff THC fällt allerdings unter das Betäubungsmittelgesetz. Liegt also keine Genehmigung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor, gilt: „Wer Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft“, macht sich strafbar und kann mit einer Geldstrafe oder Gefängnisstrafe bis zu 5 Jahren rechnen, wenn er mit einer Cannabispflanze oder Teilen davon gleich welcher Art erwischt wird. Ausnahmeregelungen gibt es für speziell gezüchtete THC-arme Pflanzen sowie für wissenschaftliche Zwecke und für sogenannte Zwecke des öffentlichen Interesses.

Allein schon der Kauf von Hanf-Samen zwecks Anbau und der Versuch des Anbaus ist strafbar. Daher werden auch Besitzer von Vögeln nach ihrem Einkauf von Vogelfutter nicht zu Tausenden täglich verhaftet, ist doch in der Regel ein großer Bestandteil von Hanfsamen im Futter für unsere gefiederten Freunde. Diese Samen dienen halt einem anderen Zweck, meistens. Allerdings ist es zwar eine Sisyphos-Arbeit, aber nach dem Herauspuzzeln der Hanfsammen aus den übrigen Futterkörnern und der Trennung der weiblichen von den männlichen Samen, steht dem Anbau -rein theoretisch betrachtet- nichts mehr im Weg.

Unsere Gesetze sind schon merkwürdig bis makaber: Beim Konsum ist es wie mit Suizid. Man geht straffrei aus. Der Grund: Es heißt, man könne prinzipiell Drogen konsumiert haben, ohne dafür bezahlt zu haben und damit ist ein Rausch oder ein positiver Drogentest nicht strafbar. Dies mag der Grund sein, warum beim Polizeieinsatz Betroffene die Drogen schnell verschlucken, wenn die Gesetzeshüter im Anmarsch sind. Allerdings ist dann immer noch ein Eintrag in die Führerscheindatei möglich.

Der Besitz kleiner Mengen für den Eigenbedarf geht in der Regel straffrei aus. Was eine „kleine Menge“ ist, ob 10 Gramm oder mehr oder weniger ist -man glaubt es kaum- von Bundesland zu Bundesland verschieden. Aber es kommt noch besser: 1990 hat ausgerechnet ein Richter die Forderung an das Bundesverfassungsgericht gestellt, Cannabis in Deutschland zu legalisieren. Daraufhin wurde die Innenministerkonferenz beauftragt, bundesweit zu regeln, was denn nun Eigenverbrauchsmenge maximal sei.

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Der grüne Weg

Bis heute ist nichts davon eingetreten, wobei in Berlin-Kreuzberg der erste „Coffeeshop“ (=legaler Verkauf nach niederländischem Vorbild) kurz vor der Konzession steht und die Grünen zur Zeit -sogar mit vereinzelter CDU-Unterstützung für eine Verbraucherentkriminalisierung vorpreschen, die bei einem staatlich regulierten Markt dem Staat bis zu 2 Mrd. Euro jährlich bringen würde.

Unvergessen: Wohl um die Position seiner Partei plakativ zu demonstrieren hat sich vergangenes Jahr bei der sinnfreien „Ich schütte mir einen Eimer Eiswasser über den Kopf-Aktion“(Ice Bucket Challenge) der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir zusammen mit einer Hanfpflanze in Szene gesetzt und sich anschließend darüber entrüstet, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelte.

Nun haben Die Grünen einen 68-seitigen Gesetzesentwurf vorgelegt für das sogenannte CannKG = Cannabiskontrollgesetz. Inhalt: 30 Gramm Besitz bei Erwachsenen soll straffrei sein. Das ist schon eine ganze Menge. Aber was bringt diese nur marginale Verschiebung? Dann fängt die Strafbarkeit bei 31 Gramm an und nicht bei 10 oder 15. Zu Ende gedacht ist das Ganze scheinbar so richtig nicht. (Vgl.: 2 Textmarker oder 2 Einwegfeuerzeuge wiegen jew. zusammen 30 Gramm, zwecks Mengenveranschaulichung)

Nur kurz zum Vergleich:

In Uruguay sind 40 Gramm, auf Jamaika knapp 60 Gramm Besitz legal. In Nord-Korea und den US-Staaten Colorado und Washington ist Cannabis schon jetzt legalisiert -respektive keine illegale Droge.

Im Pilgerschritt ins Patt

In Deutschland haben wir heute eine Patt-Situation: Eigentlich sollte z.B. schon seit 2014 laut Kölner Verwaltungsgericht chronischen Schmerzpatienten der Eigenanbau nach Überprüfung gestattet werden können. Dagegen hat jedoch das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ Berufung eingelegt. Rechtskräftig ist also der Kölner Entscheid nicht. Um etwas zu ändern für die Strafrechtssituation, die Kriminalität, die Patienten und natürlich für die Forschung und den Pharmamarkt müsste man also weit konsequenter vorgehen und nicht im Pilgerschritt zwei Schritte vor und einen zurück gehen.

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“

Einen neuen Schritt nach vorne, -wobei dies nicht zwingend als richtige Richtung gewertet sein soll- zumindest jedoch aus dem Patt heraus, hat diesen Sommer die Berliner Bezirksbürgermeisterin der Szene-Distrikte Friedrichshain-Kreuzberg gestartet. Laut Monika Herrmanns Antrag auf kontrollierte Cannabis-Abgabe für Ü-18 Konsumenten soll der jeweilige legale Einkauf beschränkt auf 10 Gramm werden. „Vier Abgabestellen mit geschultem Personal“ sollen dabei zukünftig Jugendschutz und Verbraucherschutz gewährleisten, heißt es dazu in der Pressemitteilung des Bezirksamtes. „Ziel des regulierten Verkaufes von Cannabis ist es, die gesamte Kette von der Produktion bis zum Verbrauch streng zu regulieren. Nur so können die Oberziele Gesundheits- und Jugendschutz sowie Kriminalitätsbekämpfung umgesetzt werden“. Das alles noch dazu mit schadstoffarmen Produkten aus der Region, so der Antrag der Bezirksbürgermeisterin beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Neue Wege beschreiten

Was spricht eigentlich gegen eine Regelung oder Herangehensweise, die noch nicht in einem anderen Staat versucht wurde? Heutzutage können wir beispielsweise jedem x-beliebigen Produkt jedwedes Attribut dank gezielter Werbung und PR angedeihen lassen. Warum nicht Cannabis mit Medizin komplett gleichsetzen. Vielleicht ist es dann bald schon genauso „uncool“ sich mit Cannabis wie mit Hustensaft oder Klebstoff zu berauschen? Wobei noch dazu der direkte Bezug von Cannabis zu Medizin ja längst besteht und von den Marketingexperten dieses Attribut nur elaboriert werden müsste.

Als gesichert lässt sich allerdings schon jetzt zweierlei festhalten:

1.Ein legaler regionaler Verkauf birgt in jedem Fall die Gefahr, die Hauptstadt noch mehr zum Mekka der Drogeneinsteiger werden zu lassen nach dem Motto „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin -da ist Cannabis-Kauf legal, wenn ich einen Kumpel aus Kreuzberg habe“.

2.Der Antrag der Bezirksbürgermeisterin wird scheitern und gegen den Entscheid wird wieder geklagt werden. Und auch auf dieser Ebene wird wieder ein Patt entstehen.

Total entspannte Endocannabinoide

Zum Glück ist auch dieses Patt unseren Endocannabinoiden völlig egal. Sie machen ganz entspannt weiter und spielen, da sind sich die Forscher heute mehrheitlich einig, eine entscheidende Rolle bei uns und in uns, bezüglich

ungezählter Störungen. „Das Spektrum des Endocannabinoidsdystem“, so Professor Carsten Wotjak vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, „kann man sich vorstellen so vielfältig wie ein bunter Wiesenblumenstrauß. Aber wir stehen bei Weitem nicht bei Null. Es gibt bereits einen CB1-Blocker, der jedoch den großen Nachteil hat, Ängstlichkeit und Depressionen hervorzurufen“. Was wiederum im Umkehrschluss aber auch der Beweis oder zumindest Hinweis ist, dass hier ein Zusammenhang besteht zwischen dem Endocannabinoid-Haushalt und unserer Stimmungslage und gegebenenfalls unseren Neurosen oder gar Psychosen.

Raus aus dem Patt!

Aber warum bekommt die Forschung so wenig Unterstützung? Warum investieren wir nicht in unser Endocannabinoid-System statt in marode Länder oder tödliche Waffen? Wir fliegen zu Satelliten, die hunderttausende von Kilometern entfernt sind, verstehen aber nicht das System, was maßgeblich unser Leben ausmacht. Läuft dieses System rund, verdient natürlich niemand daran, erst wenn wir erkranken, leiden, Störungen haben, dann geben wir Geld aus für Medizin und OPs. Schadet also die Forschung, wenn sie nun Fortschritte macht, unserer Wirtschaft? Ist es so einfach und dabei so perfide, dass ein natürliches Heilmittel oder noch besser: ein Heilmittel, das wir in uns haben, nicht unterstützt wird, weil es so gut wie nichts kostet? Mag tatsächlich ein explizites wirtschaftliches Desinteresse eine Rolle spielen an der mangelnden Förderung, der geringen Presse und dem minimalen Bekanntheitsgrad dieses fantastischen Systems in uns? Und dies, obwohl die bisherigen Forschungen sicher aufzeigen, dass das Endocannabinoidsystem sowohl auf unsere Physis als auch auf unsere Psyche einen immensen Einfluss hat.

Größer denken!

Es muss einfach größer gedacht werden und nicht nur an den eigenen direkten Profit. Vielleicht haben wir sogar die Lösung direkt vor der Nase -oder noch besser- tatsächlich in uns? Die Lösung, die uns hilft, Leiden von A wie ADHS bis hin zu Z wie Zysten zu lindern oder gar zu heilen?

Cannabis selbst ist ja schon jetzt im Einsatz zum Beispiel gegen vielerlei Schmerzen, insbesondere gegen neuropathische Schmerzen (Schmerzen, die durch in Mitleidenschaft gebrachte Nerven entstehen). Außerdem ist bereits heute Cannabis im Einsatz für Krebspatienten gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien und es lindert Spastik bei MS. Die Palette ist lang, noch länger ist die Liste der vermuteten und noch weniger gesicherten positiven Wirkungsfelder von Cannabis und damit letztlich auch von unseren Endocannabinoiden:

Selbst Epiliepsie, Parkinson, Haut, Darm, Schlaf und Haare sollen sich positiv beeinflussen lassen; insgesamt tut sich die Frage auf, ob Endocannabinoide nicht auch mit unserem Alterungsprozess zu tun haben. Liegt hier vielleicht sogar der „Anti-Aging-Schalter“ in uns und der älteste Traum der Menschheit könnte wahr werden? „In jedem Fall, das ist gesichert“, so der erfahrene Spezialist Prof. Beat Lutz aus Bern mit einem Augenzwinkern, „hat dieses Thema ein riesiges Potential und diese kleinen Endocannabinoide haben mich richtig süchtig gemacht. Wir bleiben dran“.

Können wir selber unser Endocannabinoid-System beeinflussen? Wenn ja, -wie?

Schon jetzt wissen wir, dass die Möglichkeit besteht, zum Beispiel Anandamid, eines der körpereigenen Cannabinoide zu stärken. Das funktioniert im Grunde wie oben angedeutet genauso wie im Fall von Antidepressiva, die den Abbau des Neurotransmitters Serotonin hemmen und somit die Verstoffwechslung -die sogenannte „Wiederaufnahme“- verzögern können. Ein weiterer Weg ist, die Produktion von Anandamid anzukurbeln, zum Beispiel mit Sport, protein -und omega 3-reicher Ernährung und Bewegung.

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Tuning

Es ist bekannt, dass Paracetamol und Ibuprofen als Abbauhemmer von Endocannabinoiden fungieren und sich somit positiv auf unser Endocannabinoid-System auswirken. Darüber hinaus gelten als Förderer oder Lieferanten von Substanzen, die das Endocannabinoidsystem stimulieren: „Chilis, schwarzer Pfeffer und Gewürz-Nelken. Generell gilt: Sport, Fleisch, Fisch, frisches Obst und Gemüse machen ebenfalls unser Endocannabinoid-System fit.

Besondere Top-Scorer sind Trüffel wegen ihres besonders hohen Endocannabinoid-Gehalts und gewisse Magnolien, deren Inhaltsstoffe abbau-verhindernd sein sollen“, so der Berner Pflanzenexperte Prof. Jürg Gertsch.

Vorsicht: Ethik und Philosophie

Die Zusammenhänge von Endocannabinoiden und körperlichen und seelischen Problemen sind also unstreitbar, nicht jedoch die Dosierung. Und: Modulieren wir am System, wie zum Beispiel mit dem Appetitzügler Rimonabant, der ganz gezielt als sogenannter Antagonist hemmend auf unser Endocannabinoid-System einwirkt, gehen wir auch gleichzeitig Gefahren ein. Im Falle des Appetitzüglers zählen zu den Nebenwirkungen Depressionen und Angststörungen, die ja nun wirklich niemand haben will.

Das System hinter dem System

Andererseits: Natürlich bringt es Gefahren mit sich, immer, wenn wir in die Natur eingreifen. Allerdings tun wir das schon reichlich -auch an den sehr ähnlich arbeitenden Transmittersystemen Glutamat, Serotonin und Dopamin.

Diese Systemähnlichkeit kann einfach kein Zufall sein.

Es ist also mehr als wahrscheinlich: Es gibt ein System hinter dem System.

Nun stellt sich unweigerlich dem Autor die Frage: Wer oder was ist verantwortlich für dieses System hinter dem System? Würde man die Antwort auf diese Frage personifizieren, dann müsste man doch sagen: „In jedem Fall steckt dahinter eher ein Genie als ein Chaot!“ -oder?

Tuning oder Balance

„Cannabis-Raucher wollen im Grunde ihre Endocannabinoid-Rezeptoren für „Erholungszwecke“ oder Selbstmedikation über-aktivieren, wo hingegen Pharma-Unternehmen versuchen, die CB1-Cannabinoid-Rezeptoren zu blockieren. Aber keine dieser beiden Strategien erweisen sich auf lange Sicht als vorteilhaft, sondern eher schädlich“, so der ungarische in Portugal forschende Neurobiologe Dr. Attila Köfalvi. Besser als Tuning ist sicher, auf die Balance im Körper zu achten. Stressreduktion steht da an aller erster Stelle. „Jeder sollte für seine eigene Entspannung sorgen, am besten täglich eine halbe Stunde lang und zwar ohne jede Stimulation. Das bedeutet: kein Krach, keine Musik, kein Denken, kein helles Licht. Damit fahren wir unser Cortisol runter, was unserem Endocannabinoidsystem gut tut. So stellen wir wieder die Balance her und können so selber viele Störungen im Körper positiv beeinflussen“. Des Weiteren empfiehlt der ungarische Forscher,

Alkohol, Kohlenhydrate, Zucker, gentechnisch veränderte Lebensmittel und Emulgatoren möglichst zu vermeiden oder wenigstens moderat zu reduzieren und stattdessen pflanzliche Öle, Obst, Gemüse, Fisch, Vitamin C und B-Komplex und Körner zu uns zu nehmen. Zusätzlich steht für den Neurobilogen fest: „Regelmäßiger Sport und Sex ist nicht nur gut für unser Dopamin-, unser Endorphin- und unser Endocannabinoid-Niveau, sondern es ist richtig wichtig!“

Zurück in die Zukunft

Wozu in die Ferne schweifen, liegt die Lösung doch in uns!? Wir müssen uns nicht immer nach anderen Staaten richten, wir können auch mal eigene Wege gehen und versuchen, mit dem, was uns mitgegeben wurde, verantwortungsvoll umzugehen, vorausgesetzt wir haben es hinlänglich erforscht und verstanden. Dazu bedarf es noch eine gehörige Portion Zeit und Geld. Dann wird es auch schon in absehbarer Zeit möglich sein, die Wirkung von Cannabis, Cannabinoiden und von Endocannabinoiden verantwortungsvoll zum Wohle der Patienten zu nutzen. Es wäre ein Durchbruch wie seinerzeit die Entwicklung der Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten und schon bald vielleicht keine Zukunftsmusik mehr.

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