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Cannabis inside Mensch Teil 1

Cannabis inside Mensch Teil 1 –  oder die Wundermedizin in uns

Wozu eigentlich noch Cannabis legalisieren – haben wir es doch Cannabis in uns?!

Cannabis ist überall

Cannabis ist die botanische Bezeichnung für das Maulbeerbaumgewächs Hanf und zählt zu den Pflanzen, die wir Menschen mit am längsten nutzen. Als „Marihuana“ oder „Haschisch“ dient es seit gefühlten Ewigkeiten sowohl als Medizin als auch als Droge. Heute gibt es nicht nur Hanf-Tee, -Samen, -Pulver und Hanf-Öl zu erwerben, sondern auch Hanf-Leggins, -Flaggen, -Handyschutzhüllen, -Tank Tops, -Hüte, -Duftkissen, -Babytragetücher, -Krawatten, -Shirts, -Teppiche und die Reihe kennt kein Ende. Das Blätter-Konterfei hat Platz gefunden auf T-Shirts, Basecaps, Gürtelschnallen, Buttons, Spardosen, Flaggen, Geldbörsen, Aufklebern, Aufnähern, Ohrringen, Silberringen und es gibt sogar Hanf-Kochbücher. Natürlich muss hier auch die Berliner Touristenattraktion erwähnt werden, das Hanf-Museum. Aber die Diskussion zur Legalisierung von Cannabis scheidet die Geister nach wie vor. Jetzt besonders, da „Die Grünen“ -sogar mit Unterstützung eines CDU-Politikers- einen Vorstoß gewagt haben, die gesetzlich erlaubte Menge, die man mit sich führen darf ohne einer Straftat bezichtigt zu werden, zu erhöhen -wie es bereits in anderen Ländern Usus ist. Wir gehen der Sache auf den Grund, in welcher Höhe und mit welchen Konsequenzen die erlaubte Menge erhöht werden soll. Der Streit um die Legalisierung ist nicht neu, aber zum einen bringt es nicht viel, die zulässige Menge um ein paar Gramm zu erhöhen, wie der Blick auf die Konsummengen nach England, Holland oder Spanien zeigt, und zum anderen haben wir doch Cannabis in uns! Sollen wir uns deswegen gleich gegenseitig alle verhaften? Ähnlich unserem weit mehr bekannten Serotonin-System haben wir auch ein Endocannabinoidsystem. „Endo“ bedeutet so viel wie „körpereigen“. Wir haben also Cannabis in uns?! Wie funktioniert das denn? Und wozu dann noch Politikergelder verschwenden für monatelange Plenarsaal-Diskussionen für oder gegen Cannabis?

Endocannabinoide

Endocannabinoide – „Endocanna – was?“, hört man fast den Leser dieser Zeilen sich verwundert fragen. Aber wenn man Endo-cannabi-noide langsam ausspricht, kommt man schnell der Sache auf die Spur: Es geht um körpereigene, entzündungshemmende, Cannabis ähnelnde Stoffe. Körpereigene Substanzen also, die pharmakologisch betrachtet Cannabis ähnliche Eigenschaften haben, werden Endocannabinoide genannt. Klingt vielleicht noch immer etwas sehr wissenschaftlich, das System als solches ist jedoch im Grunde wie alles Gute ganz einfach.

Damals in der Apotheke an der Ecke

Bis ca. 1930 noch in jeder Apotheke unkompliziert zu bekommen, ist das damalige Volksheilmittel Cannabis heute wegen der berauschenden Wirkung seines Inhaltstoffes THC verdrängt und verteufelt. Wobei die entzündungshemmende Wirkung belegt ist, und somit entsprechende Präparate auch verschreibungspflichtig zu Therapien aller Art eingesetzt werden.

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Emotionaler Lautsprecher-Regler

Wie geht das vor sich? Cannabinoide regulieren ähnlich fast wie ein Potentiometer an einer Stereoanlage oder einem DJ-Mischpult schlicht und ergreifend das, was im Gehirn oder Körper zu viel ist. Daher die entzündungseindämmende Wirkung. Oft läuft unser Immunsystem einfach unrund; auch ein Fall für Cannabinoide. Wir haben also auch immer eine gewisse Menge THC in uns, daher -so heißt es oft- werden THC-Drogentests auch nicht auf 0 angesetzt. Verrückt? Ja, aber nicht ganz korrekt, so die befragten Experten; denn die Drogentests könnten sehr wohl zwischen THC und Endocannabinoiden unterscheiden.

Fragen über Fragen

Können Medikamente entwickelt werden, die den körpereigenen Abbau der Cannabinoide reduzieren wie beim Serotonin durch die sogenannten SSRI (selektive Serotonin-Reuptake Inhibitoren) ? Kann man seine körpereigenen Cannabinoide selber vermehren und/oder den körpereigenen Abbau reduzieren, um am Ende selber seine Entzündungen zu regulieren und vielleicht auch noch mit dem Nebeneffekt einfach nur -aber ganz legal- gut gelaunt zu sein?

Und wie funktioniert die Beeinflussung unseres Gehirns und unseres Immunsystems genaü BIO blickt für Sie durch den Rezeptorendschungel.

Cannabinoide in Aktion

Wer schon mal Schmerzen gehabt hat, egal wo, wird hellhörig werden. Für Betroffene mit Ängsten, Bewegungsstörungen, Parkinson, Tourette-Syndrom, MS, Epilepsie, Schlaf -oder Appetitstörung, Hitzewallungen, ja auch für Krebspatienten kann die belegte positive Wirkung der Cannabinoide eine Hilfe sein; nicht nur rein symptomatisch.

Wie die Cannabinoidforschung laufen lernte

Seit Jahrtausenden wird Cannabis von uns Menschen konsumiert, aber über körpereigene Cannabinoide ist nur sehr wenig bekannt. Das mag daran liegen, dass unsere Cannabinoid-Rezeptoren erst vor ca. 30 Jahren entdeckt wurden. Für die Wissenschaft ist das so wie für uns heutige Normalsterbliche wie: „Heute morgen habe ich auf Youtube ein cooles Video gesehen“. Mit anderen Worten: Die Uhren der Wissenschaft gehen sehr, sehr langsam. Bis ein neues Medikament mit wirklich gesicherten Tests und Erkenntnissen auf den Markt kommt, dauert es oft Dekaden. Wenn wir also hier über das Endocannabinoidsystem sprechen, dann reden wir im Grunde über ein brandneues körpereigenes System, was wir allerdings schon immer hatten. Es ist schon eigenartig und fast so als sprächen wir über einen brandneuen Sportwagen, der soeben auf den Markt gekommen ist. Aber wir fahren ihn schon, seit wir denken können.

Um diesen Artikel noch aktueller zu gestalten, sprechen wir mit den weltweit führenden Wissenschaftlern und Anwendern zu diesem Thema und erfahren teils noch nicht veröffentlichte Informationen über das „Cannabis in uns“.

Bewiesen ist: Endocannabinoide regeln den Transfer unserer Signale und sorgen dafür, dass unsere Neuronen nicht übererregt werden. Bei der Untersuchung von Mäusen wurde bereits bewiesen, dass wenn die Nager zu wenig Cannabinoid-Rezeptoren besitzen, dieses Regeln nicht funktioniert und zu Epilepsie führen kann.

Was ist eigentlich ein Rezeptor?

Vorweg: Ein Rezeptor hat genauso viel mit einem Rezept zu tun wie ein Scheusal scheu ist. „Rezeptor“ bedeutet so viel wie Andockstelle, Aufnehmer oder Empfänger. Diese Rezeptoren sitzen auf der Oberfläche unserer unendlich vielen Zellen. Jeder Rezeptor ist eine Anlegestelle oder Hafen für Botenstoffe, Hormone oder Proteine. Aber nicht jeder Botenstoff passt in jeden Rezeptor. Im Gegenteil: Botenstoff und Rezeptor müssen zusammenpassen -wie im wirklichen Leben. Wenn sie zusammen passen, kommt es zur sogenannten Reaktionsausbildung. Unser Nervensystem bekommt so die entsprechende Information.

Man entdeckte damals zwei Arten von Cannabinoid-Rezeptoren und nannte sie kurz und bündig: CB1 und CB2. CB1-Rezeptoren kommen vorwiegend im Gehirn vor, sowie in den Blutgefäßen, im Fettgewebe, der Leber und in unserem Rückenmark. „Die CB2-Rezeptoren findet man auf Zellen, die am Knochenauf- und abbau beteiligt sind und auf Immunzellen“, so der Experte Professor Dr. Michael Koch vom Institut für Hirnforschung in Bremen.

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Die logische These war: Diese Rezeptoren in uns sind nicht primär für den Haschischkonsum angelegt. Also begann die Suche nach passenden körpereigenen Botenstoffen, die hier „vor Anker gehen“ -also passen. Und man wurde in den frühen 90er Jahren fündig. Womit bewiesen war, unser Gehirn produziert eigene Cannabinoide. Wer also Cannabis raucht, stimuliert en masse die Rezeptoren, die eigentlich für die körpereigenen Cannabinoide die Andockstellen sind. Nicht vollkommen gesichert, aber sehr wahrscheinlich ist, dass unsere Cannabinoide den „Job“ haben, das Gehirn vor einem Übermaß an zu vielen Reizen zu schützen. Geht das Gleichgewicht verloren, liegt es nahe, dass dies der Grund ist für entweder rauschhafte Entspannung oder für alles, was symptomatisch mit Überreizung zu tun hat. Schlimmsten Falls kann, davon gehen die Forscher heute aus, ein Mangel an Cannabinoid-Rezeptoren nicht nur bei Mäusen zu Epilepsie führen. Es wundert also nicht, dass Cannabispräparate schon heute z.B. Tourette-Patienten helfen. „Auf legalem Wege lässt sich dies heute über einer Verschreibung von Dronabinol oder Sativex regeln“, sagt uns Frau Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl. Sie ist sowohl Neurologin als auch Psychiaterin und führend als Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover forschend und therapeutisch tätig. „Die Wirkungsweise und die einzelnen Effekte unseres Endocannabinoidsystems sind ganz besonders vielfältig, breit gefächert und bedürfen noch viel weiterer Forschung“, so die Professorin. Trotz dieser sehr breiten klinischen Wirkung ist aber schon jetzt festzuhalten, dass das menschliche Endocannabinoidsystem im engen Kontext mit Stimmung und Stress, Knochen und Tumoren, der Leber, unserem Saugreflex und der Entstehung von Psychosen (Ängste, Traumata, Depressionen, Demenz) steht. Der gemeinsame Nenner ist jedoch noch nicht gefunden. Dies wäre sicher ein echter Durchbruch für Forscher, Therapeuten und nicht zuletzt für unzählige Patienten. Denn schon jetzt ist das therapeutische Wirkungs-Potenzial unseres Endocannabinoidsystems unumstritten. Es ist antispastisch, es wirkt bei psychiatrischen Erkrankungen, ist schmerzlindernd, Brechreiz mindernd, entzündungshemmend und neuroprotektiv. Das bedeutet, ein weiterer Job des Endocannabinoidsystems ist es, buchstäblich unsere Nerven zu schonen, Neuroprotektion also. Nervenzellen und Nervenfasern werden geschützt und vor dem Absterben bewahrt, was bei Krankheitsverläufen das so oft hohe Tempo herausnimmt und die Lebensqualität des Patienten verbessert.

Es fehlen natürlich wie so oft die Gelder. Was ferner hinderlich ist, ist die geringe Förderquote von Bund und Wirtschaft von jeweils unter 5 %. „Allein eine neue Studie mit nur 100 Patienten benötigt in etwa 1.5 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen sicher viele Milliarden Euro an Einsparungen, wenn man größer und nachhaltiger denken würde. Das klingt zwar spekulativ, ja, aber natürlich bedeutet verbesserte Lebensqualität eine Einsparung von direkten und indirekten Kosten in immenser Höhe“, so Prof. Müller-Vahl.

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